Das Zentrum von Bari

Auf dem italienischen Stiefel liegt Bari relativ weit unten hin zur Adria. Mit ihren über 300 000 Einwohnern ist die Hauptstadt von Apulien der wichtigste Fährhafen der Gegend. Von hier aus gibt es Verbindungen zu allen Ländern auf der gegenüberliegenden Adria-Seite: Kroatien, Montenegro, Albanien und Griechenland.

Für die Größe der Stadt wirkt das Zentrum eher klein und überschaubar. Da ist einerseits die Altstadt. Sie stößt direkt an den Fährhafen und an das Castell. Auf dem Stadtplan wirkt sie eher klein und übersichtlich, was jedoch trügerisch ist. Noch nie bin ich so planlos in einer Altstadt herumgeirrt. Straßen, Gassen und Gässchen bilden ein Labyrinth, in dem man sofort die Orientierung verliert. Ich wollte es nicht glauben und startete im Laufe des Tages drei Versuche, gezielt einen Weg durch die Altstadt zu einem definierten Punkt finden. Spätestens nach der zweiten Ecke irrte ich ratlos von Gasse zu Gasse, vorbei an italienischen Mammas, die auf Klappstühlen vor ihrer Haustür saßen und mich mit strenger Mine musterten. Wenn ich dann auf meinem verzweifelten Versuch den Weg zu finden, das zweite oder dritte Mal vorbeikam, mischte sich leichte Verwunderung in den Blick. Manche waren aber doch so nett, mir mit streng erhobenem Finger anzudeuten, dass eine Gasse, in die ich einbiegen wollte, keinen Ausgang hat. Ich muss gestehen, dass ich nach den drei Versuchen keinen weiteren mehr startete. Dazu ist die Altstadt zu klein und ich nach einem Tag herumirren vermutlich bekannt wie ein bunter Hund.

Immerhin bin ich bei meinen Spaziergängen über die drei wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt gestolpert: die Kathedrale San Sabino, die Basilica di San Nicola und das Castello Svevo. Sehenswert ist aus meiner Sicht vor allem die Krypta in der Kathedrale, die nach der Kargheit des Kirchenraums darüber überraschend kunstvoll ausgeschmückt ist. Im Castell wird aktuell noch gebaut. Zu besichtigen ist nur das Erdgeschoss. In einem der Räume findet man eine sehenswerte Ausstellung von Kapitellen. Erst aus der Nähe sieht man mit wie viel Phantasie und Liebe zum Detail viele dieser Figuren gestaltet wurden. Ein (englischer) Film erzählt die Geschichte des Castells (das in der Weltpolitik eine eher untergeordnet Rolle spielte) und in einem weiteren Raum wurden Forschungsergebnisse zur jüngeren Geschichte des Castells (20. Jahrhundert) mit Fotos und Modellen zusammengestellt.

Am Nachmittag wandte ich meine Aufmerksamkeit der Neustadt zu. Das Zentrum mit den Regierungsgebäuden zieht sich südlich der Altstadt bis hin zum Stadtstrand. Hier findet man eine moderne, quirlige und lebendige Stadt, die unter anderem eine der größten Universitäten Italiens beherbergt (Bild: Hauptgebäude der Universität an der Piazza Umberto I).

Die Shoppingmeile findet man im Viereck zwischen Corso Vittorio Emanuele und Piazza Umberto I in Ost-West-Richtung und zwischen Via Argiro und Via Andrea da Bar in Nord-Süd-Richtung mit der Via Sparano da Bari als quirliger Fußgängerzone dazwischen. Hier findet man auch viele Läden der bekannten Luxusmarken und fragt sich insgeheim, wie sich die Bewohner dieser Stadt so etwas leisten können. Das Preisniveau ist verhältnismäßig niedrig, selbst im Vergleich zu italienischen Städten weiter im Norden. Mein Abendessen – bestehend aus Vorspeise, Pasta als Hauptgericht und einem Viertel Wein – kostete mich ganze 17 Euro.

 

 

 

 

 

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