Sprung über die Adria

Es gibt verschiedene Möglichkeiten von Dubrovnik aus den Heimweg nach Deutschland anzutreten. Da wäre zum einen die Fahrt mit dem Bus zurück nach Zagreb und von dort wieder mit dem Zug weiter. Allerdings fahre ich nicht gerne den gleichen Weg zweimal. Als Alternative bietet sich Fliegen an. Immerhin verfügt Dubrovnik über einen internationalen Flughafen, der wie ich erfahren habe beliebtes Ziel für Charterflüge mit Pilgern aus dem Libanon ist! Eine kurze Recherche ergab, dass die Preise verhältnismäßig hoch sind. Auch wäre ich dann viel zu früh wieder zurückgekommen. Bleibt also noch Variante 3: mit der Fähre nach Bari und von dort zurückfliegen. Immerhin gibt es einigermaßen günstige Verbindungen mit Air Dolomiti. Außerdem klang die Aussicht auf eine Nachtfahrt mit der Fähre über die Adria sehr verlockend.

Die Fähre zwischen Bari und Dubrovnik wird vor allem von Italienern genutzt, die in Kroatien Ferien machen. Betrieben wird die Fähre von Jadrolinija, der größten Fährgesellschaft an der kroatischen Küste. Es gibt drei Arten an Plätzen, die man buchen kann: ein Bett in einer Zweier-, Dreier- oder Viererkabine ohne bzw mit WC und Dusche (alternativ durfte man gegen Aufpreis auch die ganze Kabine buchen), einen Schlafsitz wie im Flugzeug oder einfach nur eine Deckpassage mit der Option, dass man überall wo Platz ist seinen Schafsack ausbreiten und schlafen darf.

Italienische Touristen sind offenbar sparsam. Die meisten hatten die Deckpassage gewählt, was zur Folge hatte, dass jedes halbwegs bequeme freie Fleckchen auf dem Schiff sofort von einem der Schläfer belegt wurde. Mütter kuschelten sich mit ihren Kindern im Flur auf Luftmatratzen, ältere Damen und Herren einer Pilgergruppe nahmen mit ihren Isomatten fast vollständig den Boden der Cafeteria in Beschlag. Der Rest verteilte sich auf die Treppenaufgänge, das Self Service Restaurant und die Flure zu den Kabinen. Einige Backpacker hatten es sich draußen auf den Bänken bequem gemacht (ein paar Unverwegene sogar direkt unter den Schiffsmaschinen). Nur das Restaurant und die Kirche hielten der Invasion stand.

Um Mitternacht veranstaltete die Pilgergruppe in der Cafeteria noch eine Singrunde mit Gebet, während die (italienischen) Kinder in den Fluren herumflitzten und ein paar Männer in einer Ecke Kartenspielten. Mit ein bisschen schlechtem Gewissen, aber innerlich doch heilfroh, verkrümelte ich mich um Mitternacht schließlich in meine Dreibett-Kabine (mit WC und Dusche), die ich mangels weiterer Mitschläfer sogar alleine bewohnen durfte. Pünktlich um halb acht legte die Fähre schließlich in Bari an. Mit dem Bus kommt man relativ schnell in die Stadt und so dauerte es nicht lange, bis ich das Hotel erreicht hatte. Und obwohl es erst halb neun Uhr morgens war, durfte ich netterweise gleich in mein Zimmer und mich noch etwas ausruhen. Auch wenn ich überraschend gut geschlafen hatte, war die Nacht doch etwas kurz.

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