Camino Natural del Ebro 2013

Der Plan

Nach unserer etwas verregneten Wales-Tour im vergangenen Jahr wollten wir dieses Jahr endlich eine Fahrradtour mit Sonnengarantie genießen. Unser Plan: wir fahren die gesamte Länge des Ebros von seiner Quelle bis zur Mündung mit dem Fahrrad. Den größten Teil der Strecke werden wir dem GR99, auch als Camino Natural del Ebro bezeichnet, folgen.

Der GR99 war einer der ersten Wanderwege, die 2004 vom spanischen Umweltministerium im Rahmen eines Projekts zur Wiederherstellung alter Wanderwege neu angelegt wurden. Es gibt eine eigene Webseite mit Informationen zu Sehenswürdigkeiten und Übernachtungen, Tracks für das Navi und sehr detaillierten Karten. Der Weg selbst ist – jedenfalls in der Theorie – durchgängig markiert. Die Praxis sah teilweise etwas anders aus…

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Tag 1: Fontibre nach Reinosa

Datum: 29. August 2013, Strecke: 10 km, Übernachtung in Reinosa: Hotel San Roque

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Heute steht nicht nur die erste Etappe unserer Tour auf dem Programm. Wir müssen erst mal bis zum Start kommen! Die Regenwolken haben sich in Richtung Berge verzogen, als wir morgens um sieben zum Busbahnhof von Bilbao aufbrechen. Die Bars öffnen gerade und wir frühstücken unterwegs noch schnell. Unsere für die Busfahrt in Pappe verpackten Fahrräder bescheren uns den einen oder anderen verdutzten Blick. Aber die Busgesellschaft erhebt, wie von uns erhofft, keinen Einspruch. Die Fahrräder werden ohne weiteren Kommentar akzeptiert und wir dürfen sie im Gepäckraum vom Bus verstauen.

Zwei Stunden geht es dann hügelauf, hügelab durch die herrlich grüne, regenverhangene baskische und später kantabrische Landschaft nach Reinosa. Dort angekommen, suchen wir als erstes den nächstgelegenen Papiercontainer und entpacken unsere Fahrräder. Alles ist gut gegangen. Die Räder haben Flug und Busfahrt unbeschadet überstanden. Genüsslich strampeln wir unsere ersten Meter bis zum Hotel San Roque, wo wir für heute reserviert haben.

Reinosa liegt am westlichen Ende des Ebro-Stausees. Mit etwa 10.000 Einwohnern ist es die größte Stadt der Gegend und Verwaltungssitz der Comarca Campoo, mit gleichnamigem Skigebiet (wir sind auf 900 Meter!). Fontibre, der Startpunkt unserer Tour, liegt nur wenige Kilometer westlich von Reinosa. Von dort verlaufen Ebro und GR99 an Reinosa vorbei weiter nach Südosten. Es ist mittags und wir nutzen die Zeit, um die erste Etappe abzufahren: Zehn Kilometer zur Ebro-Quelle in Fontibre und später wieder zurück. In einem Park beim Informationszentrum im Fontibre finden wir, eingebettet in Bäume und Moos, einen kleinen, grünlich schimmernden, ziemlich unspektakulären Teich, den Anfang des Flusses, der als Namensgeber für die iberische Halbinsel bekannt ist.

Tag 2: Reinosa nach Villanueva de la Nia

Datum: 30. August 2013, Strecke: 55 km, Übernachtung in Villanueva de la Nia: Posada el Cazador

Ebro_20130830_Reinosa_Villanueva

Die Fahrt nach Fontibre war das Vorgeplänkel, welches wir aus Gründen der Vollständigkeit abradelten. Heute fängt es wirklich an; unsere erste Etappe am Ebro entlang bis nach Villanueva de la Nia. Um 9:30 Uhr geht es los. Die Sonne strahlt vom Himmel, es ist ideales Fahrradwetter.

Und wir fangen gleich an, nicht dem offiziellen Weg zu folgen, da der als Wanderweg (der GR99 IST ein Fernwanderweg) gleich auf irgendwelchen Aussichtsberge hoch führt. Da bleiben wir doch besser unten am Wasser. Der erste Teil geht daher gemütlich am südlichen Ufer des Ebro Stausees entlang. Wir überlegen bereits, ob wir die Tagesetappe etwas länger hätten einplanen sollen. Bei dem Tempo würden wir schon am Vormittag ankommen. Doch das dicke Ende kommt noch. Kurz hinter Aldea de Ebro schlägt sich der GR99 parallel zum Ebro in die Berge. Wir holpern über Wanderwege und durch Buschwerk. In den Dörfern, an denen wir vorbekommen, treffen wir nur wenige Menschen. Die einzige Bar auf dem Weg ist geschlossen, da an diesem Tag das Wasser im Ort gesperrt wurde. Wir retten uns mit Müsliriegeln über den Tag und erreichen am Nachmittag hungrig unser Etappenziel Villanueva. Zum Abendessen gibts die Wahl zwischen drei Fleischegrichten – Vegetarier sollte man hier nicht sein!

Wir haben die Strecke für den ersten Tag vorsichtshalber etwas kürzer eingeplant und es ist noch früh. Nachdem wir unser Zimmer im Cazador bezogen haben, machen wir uns auf den Weg die einzige Sehenswürdigkeit von Villanueva zu besichtigen: die Ermita de la Virgen del Monte (die Kapelle zur Jungfrau vom Berg). Die Ermita, eine Kapelle mit Anbau, markiert das Ende eines Kreuzwegs und liegt idyllisch auf einem Hügel etwas außerhalb. Die Kapelle selbst ist geschlossen, aber wir genießen den Ausblick über das Tal. Ein besinnlicher Abschluss unserer ersten Etappe.

Tag 3: Villanueva de la Nia nach Pesquera del Ebro

Datum: 31. August 2013, Strecke: 52 km, Übernachtung in Pesquera del Ebro: El Arco

Ebro_20130831_Villanueva_Pesquera del Ebro

Es ist neblig und kühl, als wir am nächsten Morgen uns und unsere Räder fertig machen. Die erste Strecke nach Polientes folgen wir wieder der Straße. Langsam kämpft sich die Sonne durch die Wolken, während wir durch die Kälte strampeln. In Polientes finden wir den ersten Supermarkt seit Reinosa. Dankbar füllen wir unsere Wasser- und Müsliriegelvorräte auf, dann geht es weiter.

Unterwegs machen wir einen kurzen Stopp bei der Colegiata San Martin de Elines, einer romanischen Kirche aus dem 11. Jahrhundert. Bei unserer Ankunft startet gerade eine Führung durch Kirche und Kreuzgang. Wir nutzen die Gelegenheit und schließen uns an. Dann geht es schon wieder weiter. Das Ebro-Tal verengt sich immer mehr. Rechts und links vom Weg ragen skurrile Felsgebilde in den Himmel, die der Fluss im Laufe der Jahrtausende aus dem Stein herausgewaschen hat. Mitten in dieser dramatischen Landschaft erreichen wir Orbaneja de Castillo, ein altes Dorf auf einem Felsvorsprung, von dem aus man einen wunderbaren Blick über den Ebro hat. Nicht zuletzt wegen seiner Lage, ist Orbaneja ein beliebtes Ausflugsziel für viele Spanier. Alle Bars und Restaurants auf dem Hauptplatz sind voll besetzt. Wir machen eine kurze Pause, bevor es weitergeht. Zu unserem Etappenziel für heute sind es noch ein paar Kilometer.

Die Sorge ist nicht unberechtigt. Offiziell schlägt sich der GR99 bei Valdelateja wieder in die Berge. Wir hoffen, uns diesen Umweg sparen zu können und direkt am Ebro entlangzufahren. Von anderen Radfahrern, die wir unterwegs treffen, erfahren wir, dass es einen Weg gibt, der jedoch auf keiner Karte eingezeichnet ist. Wir gehen das Risiko ein.

Um es kurz zu machen: ja es gibt einen Weg. Einen schmalen holperigen Pfad durch Unterholz und Gestrüpp immer am Fluss entlang. Wir geben unser bestes. Nicht immer ist klar, ob es besser ist zu fahren oder zu schieben. Immer wieder ist einer von uns knapp davor, in den Ebro zu fallen. Mit uns kämpft sich noch ein Trupp Mountain-Biker den Weg entlang. Allerdings im Gegensatz zu uns ohne Gepäck. Mit zerschrammten Armen und Beinen und bis obenhin dreckig, erreichen wir schließlich Pesquera del Ebro und haben 97km in zwei Tagen geschafft!

Tag 4: Pesquera del Ebro nach Trespaderne

Datum: 1. September 2013, Strecke: 58 km, Übernachtung in Trespaderne: Hostal Jose Luis

Ebro_20130901_Pesquera del Ebro_Trespaderne

Am nächsten Morgen starten wir bei Nebel und Wolken. Ab und an gibt es ein paar Regentropfen. Aber es dauert nicht lange, bis wieder die Sonne durchkommt. Die ersten Kilometer kommen wir gut voran. Dann die Entscheidung: folgen wir dem GR99 oder machen wir einen Umweg entlang der Landstraße. Wir nehmen den GR99. Eine Entscheidung, die wir bald bereuen sollten. Nach mehreren Kilometern über Stock und Stein, stehen wir vor einem schmalen Kletterpfad, der sich in Serpentinen steil nach oben windet zur Desfiladero de Los Tornos. Selbst Schieben geht nur mühsam. Von Fahren ganz zu schweigen. Teilweise nehmen wir die Taschen ab und tragen sie und Fahrrad getrennt nach oben. ergab ist es nicht mehr ganz so steil und man kann immerhin fahren, wenn auch etwas holperig.

Im Valdivielso fahren wir dann alle kleinen Orte ab – immer schön auf der kleinen Landstrasse die Hügel rauf und runter – nur unterbrochen von einer kurzen Pause in Valhermosa. Kurz vor Trespaderne schlägt sich der GR99 noch einmal in die Hügel. Wir beschließen, dass es uns für heute reicht und nehmen die Abkürzung über die Landstraße. Nach einem kurzen Picknick auf einer Verkehrsinsel geht es dann hauptsächlich bergab nach Traspaderme.

Im Vergleich zu den Dörfern, durch die wir bisher gekommen sind, wirkt Trespaderne etwas trist und langweilig. Es gibt keinen alten Ortskern. Die Häuser sind relativ neu, aber schon an vielen Stellen verfallen. Unsere Suche nach einem Restaurant für das Abendessen ist vergeblich. Es gibt ausschließlich Bars. Wir essen schließlich im Comedor von unserem Hostal Tapas und träumen dabei heimlich von Pizza.

Tag 5:Trespadernes nach Miranda de Ebro

Datum: 2. September 2013, Strecke: 58 km, Übernachtung in Miranda de Ebro: Hospedaje el Convento

Ebro_20130902_Trespaderne_Miranda de Ebro

Das Wetter ist wieder einmal unschlagbar. Die Strecke wird langsam flacher. Wir fahren heute Landstraße und kommen flott voran. Am Vormittag machen wir noch einen Stopp in Frias, einer mittelalterlichen Stadt, malerisch auf dem Hügel gelegen. Als wir uns den Hügel hochgekämpft haben, ist es gerade 10 Uhr und das Castillo öffnet. In der Touristeninformation holen wir uns Eintrittskarten. Nach einer ausgiebigen Besichtigung der Burganlage, die wir als einzige Touristen ganz für uns haben, fahren wir weiter.

Wir nehmen wieder einmal die Abkürzung über die Landstraße und folgen dem Ebro, der sich langsam zum Stausee verbreitert. Bei Tobalinilla verengt sich das Tal und und bietet nur noch Platz für Fluss und Straße. Staunend folgen wir der Schlucht bis zu ihrem Ende an der Staumauer kurz vor Banos de Sobrón.

Nach einer langen Mittagspause – die ersten zwei Etappen an diesem Tag liefen so gut, dass wir uns Zeit lassen – geht es weiter. Wieder einmal beschließen wir, dem GR99 zu folgen. Der Weg folgt anfangs dem Fluss, schlägt sich dann jedoch in die Felder. In der sengenden Mittagshitze rumpeln wir über steinige Feldwege. Unsere Wasservorräte neigen sich langsam dem Ende entgegen. Endlich finden wir ein Dorf mit Quelle. Wir haben inzwischen gelernt, dass jedes Dorf in dieser Gegend über eine öffentliche Wasserquelle verfügt und machen rege Gebrauch davon.

Die letzten Kilometer nehmen wir wieder die Landstraße und nach einem Abstecher zur Grabstelle 'Las Tumbas' erreichen wie schließlich unser Etappenziel für heute: Miranda de Ebro. Nach tagelanger Fahrt durch das spanische Hinterland sind wir wieder in der Zivilisation angekommen. Miranda hat 40 000 Einwohner! Eine richtige Stadt mit Geschäften, Hotels und Nachtleben. Als Unterkunft haben wir uns etwas ganz besonderes ausgesucht, ein ehemaliges Kloster, das zu einem Hotel umgebaut wurde. Abends gibt es endlich die lang ersehnte Pizza.

Tag 6:Miranda de Ebro

Datum: 3. September 2013, Strecke: 0 km (Ruhetag), Übernachtung in Miranda de Ebro: Hospedaje el Convento

Für heute haben wir einen Ruhetag eingeplant. Eines der Fahrräder hat einen Achter und wir bringen es zum Fahrradladen. Danach machen wir uns auf zur Stadtbesichtigung, die sich als enttäuschend kurz herausstellt. Nach einer Stunde haben wir im Wesentlichen alles gesehen, was Miranda zu bieten hat (jedenfalls wenn man die Informationen aus der Touristeninformation zugrunde legt).

Den Rest des Tages hängen wir ab und lesen, lesen, lesen. Abends kehren wir reumütig zur spanischen Küche zurück. Wir essen im Restaurant la Vasca im Zentrum von Miranda. Bei Bacalao, Bonito und einer guten Flasche Wein beschließen wir den Ruhetag und planen die nächsten Etappen.

Tag 7 Miranda de Ebro nach Cenicero

Datum: 4. September 2013, Strecke: 58 km, Übernachtung in Cenicero: Fonda Mozart

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Am Fluss entlang kommen wir zu einer schon fast surrealistischen Bauruine: Vor Incio im Nirgendwo eine gigantische Straßenanlage, vollständig fertiggestellt mit Straßenlampen, Brücken und Autobahnzufahrt. Ursprünglich wohl für ein Industrieviertel geplant, aber leider fehlt komplett die Industrie. Ein Paradies für Fahrschulen und Inlineskater, die die einsamen Straßen in Beschlag nehmen.

Wir verlassen Castillia la Mancha und erreichen die Weinberge von Rioja. Der Weg schlängelt sich hügelauf, hügelab, von Weinberg zu Weinberg. Die blauen Trauben hängen schwer und reif an den Stöcken und wir probieren die eine oder andere. Hügelfahrt und Gegenwind gehen heute langsam aber sicher an die Substanz. Ein Radler, den wir treffen, verspricht uns, dass wir schon bald in die Ebene kommen und es flach, flach, flach wird. Als wir Banos de Ebro erreichen, überlegen wir kurz, einen Abstecher nach Elciego zu machen und uns für eine Nacht im Hotel Marqués de Riscal einzuquartieren. Vor zwei Jahren hatten wir uns den Luxus (im wahrsten Sinne des Wortes, eine Übernachtung kostet 350 Euro) schon einmal gegönnt, aber die Vernunft siegt und wir fahren wie geplant weiter Richtung Cenicero.

Als wir ankommen, stellen wir zu unserer Überraschung fest, dass das einzige Hotel im Ort zugemacht hat. Zum Glück finden wir eine nette, kleine Pension direkt an der Plaza Espana, dem Hauptplatz im Ort, mit Zimmern im dritten Stock. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: im Ort ist Fiesta. Als wir ankommen, ist gerade Mittagspause und alles wirkt verschlafen. Dann ab 17 Uhr wird es lebendig. Es startet mit einem San Fermin Infantil, der Kindervariante zum Festival von San Fermin, das jedes Jahr vom 7. bis 14. Juli in Pamplona stattfindet. Im Zentrum der Fiesta in Pamplona steht das Encierro, bei dem morgens um acht mehrere Stiere durch die Stadt zur Plaza de Toro getrieben werden (fünf Minuten, die jeden Morgen im spanischen Fernsehen übertragen und anschließend zwei Stunden diskutiert werden). Beim San Fermin Infantil werden ebenfalls Stiere durch die Stadt getrieben, diesmal jedoch aus Pappe, mit Rädern und hinten mit Stiel. Alle Kinder, vom Jugendlichen bis zum Säugling und teilweise auch die Erwachsenen sind in rot-weiß gekleidet, den typischen San Fermin Farben. Damit ist das Fest jedoch noch nicht zu Ende. Später findet noch ein Concurso de Disfrazes (Verkleidungswettbewerb) statt, ein gemeinsames Essen auf dem Platz und schließlich kurz vor Mitternacht ein Concurso de Singstar (Singwettbewerb). Wir sind zum Glück so müde, dass wir trotz schräger Töne und Böller unter unserem Fenster schließlich einschlafen.

Tag 8 Cenicero nach Lodosa

Datum: 5. September 2013, Strecke: 69 km, Übernachtung in Lodosa: Hostal ???

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Als wir uns am nächsten Morgen fertig machen, sind Bars und Läden wegen der noch Fiesta geschlossen. Im Cafe von einem Altenheim finden wir nach langer Suche doch noch ein Frühstück. Wir schwingen uns wieder auf die Fahrräder und machen uns auf den Weg Richtung Logroño. Zuerst aber kommt der Hügel vor Fuenmayor. Mindestens mal 10℅ Steigung und dann noch der übliche Gegendwind.

Es ist heiß, im Westen ziehen jedoch langsam Wolken auf. Mittags erreichen wir Logroño. Eigentlich eine Stadt, die zum Bleiben einlädt. Wir sitzen im Zentrum in einer Bar und beobachten das bunte Treiben um uns. Logrono liegt nicht nur am GR99. Auch der Camino de Santiago verläuft hier (die Ebro-Route mit Start in Tortosa)  und die Stadt ist voller Pilger. Beim Versuch, die alte Ebro-Brücke aufzunehmen, passiert es dann: Die Kamera rutscht aus der Hand und schlägt hart auf dem Boden auf! Den Deckel drückt es in den Polfilter, aber das Objektiv bleibt glücklicherweise heil. Und nach nur ein paar Minuten findet sich auch ein Fotoladen, in dem es einen neuen Polfilter gibt (zwar nur den "billigen", aber was solls…). Dann also nix wie weiter, wir wollen vor dem Regen unser nächstes Ziel erreichen: Lodosa.

Nach Logroño wirkt Lodosa etwas trostlos. Eine Kleinstadt ohne Charme, weder besonders hübsch noch besonders hässlich. Es gibt kein Restaurant und wir essen in einer Bar Hamburger und „Plato Combinado“, eine Mischung von allem was die Küche gerade zu bieten hat. Das Hostal, in dem wir übernachten, ist sehr schlicht (leider erinnere ich mich nicht mehr an den Namen). Dafür erlauben die Besitzer, dass wir die Fahrräder im Frühstücksraum abstellen. Die Wolken, die schon den ganzen Tag zu sehen waren, haben uns letztendlich eingeholt und es beginnt zu schütten.

Tag 9 Lodosa nach Tudela

Datum: 6. September 2013, Strecke: 91 km, Übernachtung in Tudela: Hotel Santamaria

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Am nächsten Morgen ist es wieder trocken, wenn auch etwas bewölkt. Es ist immer noch heiß. Unser Etappenziel für heute ist Tudela. Eine echte Herausforderung! So viel haben wir bisher noch nicht geschafft. Aber nachdem sich Lodosa als Enttäuschung entpuppt hat, wollen wir endlich wieder eine ordentliche Stadt erreichen. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Das ursprünglich als Etappenziel anvisierte Castejón de Ebro erweist sich beim Durchfahren als heruntergekommenes Kaff.

Wir versuchen dem 99er immer wieder zu auszuweichen, um dem Geholpere über Stock und Stein zu entgehen. Die Landschaft ist flach und wird immer eintöniger. Wir fahren durch endlose Birnenplantagen und denken dabei an Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland… Manchmal versteckt sich dazwischen ein Feld mit Weinstöcken. Alles steht in voller Reife, die Ernte hat begonnen, und wir können es uns nicht verkneifen, das eine oder andere (verbotenerweise) zu probieren.

Die wilde Einsamkeit vom oberen Ebro ist hier endgültig vorbei. Wir kommen durch Brachland mit Industrieanlagen und dem Dreck, der dazugehört. In vielen Orten, an denen wir vorbeikommen, sehen wir die Spuren der geplatzten Immobilienblase. Häuserruinen in den unterschiedlichsten Stadien der Fertigstellung zieren die Ortsränder. Ordentlich aufgeräumt und mit Bauzäunen abgeschlossen. Aber es gibt keine Häuser, keine Fabrikhallen, keine Autos, keine Menschen. Die Natur holt sich langsam aber sicher das Ihre wieder zurück.

Wieder einmal versuchen wir dem GR99 zu folgen. Die Suche nach den Markierungen gleicht allerdings immer mehr einer Schnitzeljagd. Ein paar Mal verfahren wir uns und bleiben im Gestrüpp stecken. Da es in der Nacht geregnet hat, ist die Strecke schlammig und bald stehen unsere Fahrräder vor Dreck. Die Mühe hat sich am Ende des Tages jedoch gelohnt. Tudela ist, wie erhofft, eine richtige Stadt und wir genießen den Luxus eines 3 Sterne Hotels. Abends beobachten wir das bunte Treiben in der Altstadt und gönnen uns wieder einmal Pizza beim Italiener. Auch wenn wir das spanische Essen sehr mögen, ab und an brauchen wir doch etwas Abwechslung.

Tag 10 Tudela nach Alagón

Datum: 7. September 2013, Strecke: 63 km, Übernachtung in Alagón: Hostal Baraca

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Nach dem Frühstück ist erst einmal Fahrräder putzen angesagt. Mit etwas Verspätung geht es danach schließlich los. Das Wetter ist durchwachsen, aber trocken. Wir beschließen, den heutigen Tag gemütlicher anzugehen und auf Landstraßen zu fahren. Leider sind Karten und Navi nicht genau genug. Der als Straße eingezeichnete Weg am Canal Imperial de Aragon entpuppt sich als holperiger Kiesweg mit nassem Sand und rutschigem Kies. Wir kämpfen uns durch bis Gallur. Ab da finden wir eine Landstraße, die laut Karte gar nicht existieren dürfte.

Kurz vor Alagon holt uns der Regen schließlich doch noch ein, es sind aber zum Glück nur ein paar Tropfen. Und auf dem Weg machen wir auch noch die 500km voll! Auf der Suche nach dem Hostal sehen wir zum ersten Mal ein Encierro, bei dem ein Stier durch die Straßen getrieben wird. Bisher haben wir in den Dörfern nur die Gatter gesehen. Wie in Cenicero ist auch hier gerade Fiesta. Drei Tage mit verschiedenen Veranstaltungen in der Stierkampfarena, einer Musikbühne, Fahrgeschäften und einem Markt.

Auf unserem Spaziergang durch den Ort kommen wir an der Plaza de Toro vorbei. Es ist das Ende einer Veranstaltung und wir dürfen kurz hineinschauen. Die Jugend des Dorfes und eine Jungkuh scheuchen sich gegenseitig zur Belustigung der Zuschauer durch die Arena. Das Ganze nennt sich Suelta de Vaquillas (frei übersetzt: Freilassung von Jungkühen). Immerhin fließt kein Blut, auch wenn man sich doch fragt, was der Bulle von all dem hält….

Leider beginnt es bald zu regnen und wir gehen schließlich zum Essen in ein Restaurant, das sich auf Parilla, Fleisch vom Grill, spezialisiert hat.

Tag 11 Alagón nach Zaragoza

Datum: 8. September 2013, Strecke: 40 km, Übernachtung in Zaragoza: Hotel Catalonia el Pilar

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Am Morgen regnet es immer noch und wir lassen uns viel Zeit mit dem Aufbruch. Bis Zaragoza sind es nur 37 km, so dass wir keine Eile haben. Schließlich wagt sich die Sonne wieder heraus und es geht los. Über schmale Landstraßen und idyllische Dörfer fahren wir nach Utebo. Der Weg verlässt uns wieder einmal. Zweimal müssen wir in Casetas die Fahrräder übers Bahngleis heben und uns den Weg durchs Gestrüpp suchen. Karte, Navi und Realität können sich wieder einmal nicht einigen, wo der GR99 tatsächlich entlanggeht.

Von Utebo aus geht es dann wieder auf dem GR99 durch ein Naturschutzgebiet. Wir fahren entlang einer eindrucksvollen felsigen Abbruchkante, bis wir Zaragossa erreichen. Es ist noch früh und bevor wir zum Hotel fahren, machen wir einen Abstecher auf das ehemalige Expo-Gelände. Die Anlage sieht recht schön und gut gepflegt aus. Allerdings scheinen viele der zum Teil riesigen Gebäude leer zu stehen. Ein weiteres Megaprojekt der Blase…?

In Zaragoza wohnen wir in einem Hotel direkt in der Altstadt. Von außen ein wunderschönes Gebäude im Stil des spanischen Modernisme, innen sehr schöne und modern eingerichtete Zimmer. Genau das Richtige, um zwei Tage die morschen Knochen zu erholen. Am Abend noch fein Essen im Restaurant los Cabezudos. Cabezudos – das lernen wir bei dieser Gelegenheit – sind die kleinen Figuren mit überdimensionierten Köpfen, die bei den spanischen Festen zusammen mit den Giganten durch die Straßen getragen werden.

Tag 12 Zaragossa

Datum: 9. September 2013, Strecke: 0 km (Ruhetag), Übernachtung in Zaragoza: Hotel Catalonia el Pilar

Und wieder ein Ruhetag. Wichtigste Tagespunkte für heute: wir müssen einen Waschsalon und einen Fahrradladen finden. Danach können wir den Tag genießen. Der Waschsalon ist funkelnagelneu. Die Besitzer erzählen uns stolz, dass sie erst vor einer Woche aufgemacht haben. Während wir auf die Wäsche warten, herrscht reges Kommen und Gehen. Der Techniker kommt, um die Maschinen zu prüfen, die Familie schaut vorbei, um dem Paar zu gratulieren, Freunde kommen herein, um mal eben Hallo zu sagen. Das einzige was wir nicht sehen: andere Kunden. Aber hoffen wir, dass sich das Geschäft noch belebt.

Während wir mit der Wäsche beschäftigt sind, werden im Fahrradladen recicleta unsere Räder mit viel Liebe auf Vordermann gebracht und wir können sie abends frisch geölt und sauber wieder abholen.

Tag 13 Zaragoza nach Quinto de Ebro

Datum: 10. September 2013, Strecke: 66 km, Übernachtung in Quinto: Hostal Plaza Quinto de Ebro

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Das Radlerleben kann so schön sein: Sommer, Sonne, Bergab und Rückenwind. Was will man mehr! Nachdem die Bedingungen so gut sind, kehren wir wieder zum GR99 zurück. 60 km über Stock und Stein am Ebro entlang. Viel Landschaft und wenig Menschen. Es gibt so gut wie keine Dörfer auf dem Weg. Es war dementsprechend nicht ganz einfach, im voraus eine Übernachtung  in sinnvoller Entfernung zu finden. Nach langer Suche entdeckten wir im Internet schließlich ein Hostal in Quinto und planten dementsprechend unsere Etappe.

Entgegen unseren Befürchtungen entpuppen sich Ort und Hostal als recht nett. Einziger Haken, bei unserer Ankunft gibt es kein Wasser. Wieder einmal wurde im ganzen Dorf das Wasser abgedreht. Müde und verschwitzt warten wir im Zimmer, bis wir endlich unter die Dusche gehen können. Dann gehen wir, wie immer am Etappenziel, auf Entdeckungstour. Wichtigste Sehenswürdigkeit von Quinto ist eine Kirche am höchsten Punkt des Ortes, die jedoch leider geschlossen ist. Auf dem Dach nisten haufenweise Störche. Viel gibt es sonst in diesem Ort nicht zu tun und wir verbringen den Abend mit Spazieren und Lesen.

Tag 14 Quinto nach Escatrón

Datum: 11. September 2013, Strecke: 50 km, Übernachtung in der Nähe von Escatrón:Monasterio de Rueda

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Das Wetter ist immer noch herrlich. Das Fernsehen berichtet über Wolkenbrüche in Madrid und Barcelona, wir fahren dem Regen offenbar aus dem Weg. Nach Luftlinie ist der für heute geplante Weg ziemlich kurz. Bis Alforque ist der Weg noch gut befahrbar und wenn man hinter dem Ort erst mal den Weg durch den Busch zur Landstrasse gefunden hat, geht es auch zügig nach Sastago. Die vielen Schleifen von da nach Escatron sind dann aber was für die echten Ebro-Radler: 17km Track statt 4km Landstrasse über den Hügel. Dafür gibts dann aber auch nach mal 3 Flussschlaufen in fast vollkommener Einsamkeit! Wir fahren durch Gebüsch, waten durch Matsch. Dann heißt es wieder Klettern mit Fahrrad. Die Räder sind bald wieder bis oben hin vollgespritzt. Zum Glück bleibt uns der Rückenwind treu.

Erschöpft von der Strecke erreichen wir schließlich Escatrón. Der Ort wirkt seltsam verlassen. Wir sehen keine Läden, keine Bar, keine Menschen. Viele Häuser sind verfallen. Nur eine Bank gibt es. Zum Glück wohnen wir nicht direkt in Escatrón. Für diese Nacht haben wir uns wieder etwas Besonders ausgesucht, das Monasterio de Rueda, ein Hotel in einem ehemaligen Zisterzienserkloster, nur wenige Kilometer von Escatrón auf der anderen Seite des Ebro gelegen.

Da wir im Ort selbst nichts zum Essen gefunden haben, hoffen wir wenigstens im Hotel etwas zu bekommen. Die Küche wird allerdings erst um 21 Uhr eröffnet. Zum Glück lässt sich der Rezeptionist von meinem verzweifelten Blick erweichen und improvisiert für uns beide Sandwiches. Gestärkt gehen wir anschließend auf Entdeckungstour. In unserer Übernachtung ist eine Führung durch das Kloster enthalten, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Der alte Teil des Klosters wurde teilweise renoviert und ist zur Besichtigung freigegeben. Im neuen Teil befindet sich unser Hotel. Da es offenbar keine Alternative in der Gegend gibt, bleiben wir auch zum Abendessen im Restaurant des Monasterios und genießen wieder spanische Küche und Wein.

Tag 15 Escatrón nach Caspe

Datum: 12. September 2013, Strecke: 35 km, Übernachtung in Caspe: Hotel Magallon

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Heute wird es eine kurze und entspannte Etappe. Viel Landstraße, die sich durch die Hügel schlängelt. Zum Glück haben wir wieder Rückenwind. Einen kurzen Stopp machen wir bei der Laguna Salada, einer Salzlagune mitten in der trockenen Ebene – der tiefsten in Europa. Das Wasser der Lagune ist dunkel und die Ränder sind dick mit Salz verkrustet.

Einen kurzen Zwischenstopp machen wir noch in Chiprana, das auf einem Hügel liegt und einen herrlichen Blick über die breiten Schlingen des Ebro-Stausees (Embalse de Mequinenza) bietet. Gemächlich radeln wir weiter bis Caspe, unserem heutigen Etappenziel.

Wir haben diesmal kein Zimmer reserviert und kurven eine Weile durch den Ort, bis wir ein nettes Hotel gefunden haben. Caspe ist zu unserer Überraschung recht groß. Wir machen einen Spaziergang zum Torre de Salamanca, einem der vielen Türme in der Umgebung, die in den Karlistenkriegen (irgendwann im 19. Jahrhundert) zur Nachrichtenübertragung mit Lichtsignalen verwendet wurde. Im Ort treffen wir zum ersten Mal seit unserer Reise auf viele Touristen, insbesondere Engländer und Holländer. Und wir lernen zu unserem Erstaunen, dass Caspe unter Anglern ein heißer Geheimtipp ist. Die Fotos mit den manngroßen, im Stausee gefangenen Fischen sind auf jeden Fall beeindruckend.

In unserem Hotel ist inzwischen auch die „Bajada del Ebro“ angekommen. Die Ankündigung hatten wir bereits in Reinosa gesehen. Die Teilnehmer der Bajada fahren mit auf Hochglanz polierten Traktoren den gleichen Weg wie wir – von Fontibre bis Deltebre. Allerdings auf Straßen, aber auch nicht viel schneller.

Tag 16 Caspe nach Bot

Datum: 13. September 2013, Strecke: 89 km, Übernachtung in Bot: Hotel Can Josep

Ebro_20130913_Caspe_Bot

Für heute ist unsere Königsetappe geplant. Wir verlassen für zwei Tage den Ebro und folgen der Via Verde, einer aufgelösten und zum Rad- und Wanderweg ausgebauten, Zugstrecke. Die Sache hat allerdings einen kleinen Haken. Um die Via Verde zu erreichen, muss man von Caspe nach Alcañiz: 15 Kilometern, auf denen es dreihunder Meter hoch geht. Unser Training macht sich bemerkbar und wir klettern verhältnismäßig problemlos die Höhenmeter nach oben.

In Alcañiz setzen wir uns in eine Bar auf den Marktplatz. Es ist Stadtfest und bei unserem Eintreffen werden gerade die Giganten und Cabezudos aus dem Rathaus herausgetragen. Wie bleiben jedoch nicht zum Umzug, sondern machen uns wieder auf den Weg zum Beginn der Via Verde. In Spanien gibt es mehrere Via Verdes, die immer entlang aufgelassener Zugstrecken führen. Ihr Vorteil: wenn es bergab geht, geht es seeeeeehr lange und immer im gleichen Winkel bergab. Ihr Nachteil, wenn es bergauf geht, geht es seeeeeehr lange und immer im gleichen Winkel bergauf.

Die ersten Kilometer auf unserer Via Verde geht es nur bergauf. Dazwischen ein kleines Tal und weiter bis auf fast 600 Meter. Es ist zum Verzweifeln. Aber irgendwann ist die höchste Stelle erreicht und erleichtert radeln wir durch die atemberaubend schöne Landschaft. Immer wieder führt der Weg durch kürzere oder längere Tunnel (darunter auch der Tunel del Equinoccio mit 2km Länge), die wie bei Zügen üblich, nicht beleuchtet sind. Wanderern wird daher empfohlen, auf jeden Fall Taschenlampen mitzunehmen.

Wir fahren durch bewaldete Hügel und schroffe Felsen, dazwischen Weinberge und Olivenhaine. Am späten Nachmittag erreichen wir Bot. Das war unsere längste Etappe auf dieser Reise und gleichzeitig, die mit den meisten Höhenmetern. Nebenbei haben wir noch den Null-Meridian überfahren und sind in Catalunya angekommen. Wir gönnen uns noch ein feines Essen und eine gute Flasche Wein im Hotelrestaurant und fallen fertig in unsere Betten.

Tag 17 Bot nach Tortosa

Datum: 14. September 2013, Strecke: 37 km, Übernachtung in Tortosa: Parador de Tortosa

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Bajada, bajada, bajada (abwärts, abwärts, abwärts)! Wie schön kann Radeln sein, wenn es nur bergab geht (im Höhenprofil gibts zwar auch Zacken nach oben, aber das ist nur der Ortsungenauigkeit in den Bergen zu verdanken). Die Via Verde führt durch eine spektakuläre katalanische Berglandschaft. Wir fahren durch Tunnel und überqueren Schluchten. Diesmal gibt es noch viele weitere Wanderer und Radfahrer auf dem Weg: Paare, Familien, Gruppen. Der Katalane erwandert gerne sein Land.

Kurz vor Tortosa endet die Via Verde und wir treffen auf unseren alten Bekannten, den GR99. Wenige Kilometer weiter, es ist noch früh am Tag, sind wir bereits am heutigen Etappenziel angekommen: der Parador in Tortosa. Paradore sind Hotels der gehobenen Klasse, die in speziellen alten Gebäuden eingerichtet werden, beispielsweise Klöster, Schlösser oder Burgen. Das Konzept der Paradore entstand bereits 1926 – also noch vor Bürgerkrieg und Faschismus – und hat sich bis heute erhalten. Über Spanien verteilt gibt es knapp einhundert solcher Paradore. Der Parador von Tortosa etwa ist eine ehemalige Burg und liegt majestätisch auf einem Hügel mitten in der Stadt.

Am Nachmittag machen wir uns auf, die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen, wir finden jedoch keine. Lediglich das Museum der Stadt lohnt einen näheren Blick. In einer informativen Ausstellung lernen wir Näheres zur Besiedlungsgeschichte der Stadt, von der Steinzeit über die Römer zu den Visigoten bis zu den Arabern. Der Angestellte an der Kasse nutzt die Gelegenheit uns von den verborgenen Vorzügen Tortosas zu überzeugen. Abends gehen wir in ein Restaurant mit katalanischer Küche. Es gibt Salat mit gebackenem Ziegenkäse und Torradas, dick belegte, mit Käse überbackene Brotschreiben.

Tag 18 Tortosa nach Riumar

Datum: 15. September 2013, Strecke: 42 km, Übernachtung in Deltebre: Delta Hotel

Ebro_20130915_Tortosa_Riumar

Der letzte Tag der Tour. Zum Abschluss weht uns noch einmal kräftiger Wind in den Rücken und wir fliegen die letzten Kilometer. Es ist flach wie ein Brett (das Höhenprofil verwirrt hier etwas – bei Kilometer 12 ginbgs über die Autobahn und am Ende waren wir audf dem Aissichtsturm am Meer). Rechts und links der Straße ziehen sich endlose Reisfelder hin. Ein Eldorado für Vogelliebhaber! Neben der Straße fließt der Ebro-Kanal zur Bewässerung. Kurz hinter Deltebre, dem größten Ort im Delta, erreichen wir unser Hotel für diese Nacht und lassen unsere Taschen zurück. Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer bis zur Mündung.

Wir sind nicht die einzigen; das Delta ist bekanntes Ausflugsziel, nicht nur für Katalanen. Wir treffen auch wieder auf unsere Freunde von der Traktor-Bajada. Auch sie sind inzwischen am Ende ihres Wegs angekommen. Langsam radeln wir den letzten Meter bis zum Aussichtsturm an der Ebro-Mündung und machen einen ausgiebigen Fotostopp. Wir folgen dem GR99 noch ein kurzes Stück weiter bis Riumar. Dort erst ist er tatsächlich zu Ende und damit auch unsere erste größere Fahrradtour. Nach 2 1/2 Wochen und 900km sind Mensch und Material wohlbehalten angekommen!

Informationen zum GR99

Geholfen haben uns bei der Vorbereitung folgende Informationen und Links:

http://www.caminosnaturales.com/ebro/

https://caminodelebro.wordpress.com/

http://www.magrama.gob.es/es/desarrollo-rural/temas/caminos-naturales/caminos-naturales/sector-noreste/ebro/

http://www.amigosdelciclismo.com/descensodelebro/

https://www.youtube.com/watch?v=YXlsbfJk57g

Anreise

Selbst mit Internet ist es nicht immer einfach, eine Reise minutiös vorzuplanen. Die Tour selbst zu planen ist das eine. Wie aber kommen wir von Deutschland zur Quelle des Ebro (Fontibre) und später von der Mündung des Ebros (Deltebre) wieder zurück nach Deutschland? Kopfzerbrechen bereiteten uns vor allem die Fahrräder. Nächster Flughafen von Fontibre mit Direktflügen aus München ist Bilbao. Bisher haben wir jedoch noch keine Erfahrung damit, Fahrräder im Flugzeug mitzunehmen. Müssen Fahrräder nicht zerlegt und in Taschen verpackt werden? Die Taschen können wir nicht auf dem Weg mitnehmen. Dann das nächste Problem: sollten wir Bilbao erreichen – wie kommen wir von dort nach Fontibre? Intensive Recherchen sind notwendig und bringen Überraschendes zutage. Das Problem, welches uns am größten erschien – der Transport mit dem Flugzeug – stellt sich schnell als keines heraus. Lufthansa hat – vermutlich dem steigenden Bedarf seiner Kunden folgend – inzwischen seine Richtlinien geändert. Man fährt einfach mit dem Fahrrad zum Flughafen und gibt es dort ab. Keine Kisten, keine Taschen, keine Pedale abschrauben, keinen Lenker verstellen. So verspricht es auf jeden Fall die nette Dame von der Hotline.

Nächstes Knackpunkt ist die Strecke von Bilbao nach Fontibre. Fontibre ist ein winziger Ort irgendwo mitten in den kantabrischen Bergen. Im Wesentlichen besteht der Ort aus einer Handvoll Häuser und einem Informationszentrum zur Ebro-Quelle. Keine Bahnstation, keine Busstation, immerhin ein Hostal und eine Bar. Aus diversen Radfahrer-Blogs von anderen Ebro-Fahrern erfahren wir jedoch, dass es möglich ist, mit dem Bus von Bilbao nach Reinosa zu fahren. Von Reinosa sind es dann nur noch wenige Kilometer nach Fontibre. Für den Transport im Bus – so die Blogs – müssen die Fahrräder gut eingepackt sein. Ein Blog schlägt beispielsweise vor, das Fahrrad mit Klarsichtfolie zu umwickeln…

So ganz trauen wir den Versprechungen der Lufthansa Hotline nicht. Außerdem müssen wir das Busproblem lösen. In einem Fahrradladen besorgen wir uns daher Pappkartons, die man oben über die Räder stülpt. Die Fahrräder sind damit geschützt, können aber trotzdem rollen. Ab Ablfugtag brechen wir vormittags in München auf und rollen mit unseren gepanzerten Fahrrädern zur S-Bahn und zum Flughafen. Dort werden wir mit etwas erstaunten Blicken empfangen, die verpackten Fahrräder werden jedoch ohne Probleme als Sperrgepäck akzeptiert.

Nach zwei Stunden Flug erreichen wir am späten Nachmittag Bilbao. Es ist warm, es ist sonnig, es ist so, wie es in Spanien sein soll. Erleichtert rollen wir unsere fahrbaren Pappkartons aus dem Terminal und stellen fest, dass wir einen kleinen, aber wesentlichen Punkt bei unserer Vorbereitung vergessen haben: wie kommt man vom Flughafen Bilbao in die Stadt? Mit den Fahrrädern können wir nicht fahren, da a) kein sinnvoller Weg vorhanden (nur Autobahn) und b) wir die schöne Verpackung noch für die Busfahrt benötigen. Einzige Verbindung für Nicht-Autofahrer ist ein Bus. Der Busfahrer schüttelt den Kopf. Bahn gibt es keine. Unsere ratlosen Gesichter überzeugen den Busfahrer schließlich, uns  doch einsteigen zu lassen, allerdings nur ausnahmsweise und mit der strikten Auflage, dass wir bei der ersten Beschwerde durch einen Fahrgast den Bus verlassen müssten. Erleichtert sagen wir zu und klemmen unsere Pappungetüme in den Kinderwagenbereich vom Bus.

Rückreise

Nachdem wir uns bei der Anfahrt so viele Gedanken gemacht hatten, wie wir die Fahrräder heil zum Ebro bringen, gehen wir die Rückfahrt recht entspannt an. Wir verbringen die letzten Tage unseres Urlaubs in Barcelona. Am Abreisetag bringen wir die Fahrräder zum Flughafenbus. Dort dürfen wir nach etwas Diskussion einsteigen. Am Flughafen geben wir die Fahrräder, so wie sie sind (die Taschen nehmen wir natürlich ab und checken sie ein), ab und fliegen zurück. Alles kommt pünktlich und heil an. Ein Hoch auf die Lufthansa und die Dame von der Hotline!